Gallensteine: eine der häufigsten Erkrankungen
Mit einer Häufigkeit von 15 bis 30 % gehören Steinerkrankungen der Gallenblase zu den häufigsten Erkrankungen in den westlichen Industrieländern. Die Gallenblase selbst ist ein kleines Speicherorgan an der Unterseite der Leber: Sie sammelt die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit und gibt sie nach einer Mahlzeit in den Zwölffingerdarm ab. Die Aufgabe der Gallensäure ist die Fettverdauung.
Die Häufigkeit von Gallenblasensteinen ist deutlich altersabhängig: Etwa 20 bis 40 % der Menschen über 50 Jahre und nahezu 70 % der Menschen über 70 Jahre weisen Gallenblasensteine auf. Die meisten davon werden zufällig entdeckt – etwa bei einer Ultraschalluntersuchung aus anderem Anlass.
Wie entstehen Gallensteine?
Gallensteine entstehen, wenn das Gleichgewicht der Gallenflüssigkeit kippt und Cholesterin oder Gallenfarbstoffe auskristallisieren. Erhöhte Cholesterinwerte im Blut infolge von Fettstoffwechselstörungen oder chronischer Überernährung begünstigen die Steinbildung.
- Weibliches Geschlecht, besonders jenseits des 40. Lebensjahres
- Mehrere Schwangerschaften und Geburten
- Übergewicht – ebenso wie schnelle Gewichtsabnahme (Crash-Diäten)
- Fettreiche, ballaststoffarme Ernährung
- Familiäre Veranlagung
- Bewegungsmangel und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
Frauen jenseits des 40. Lebensjahres mit mehreren Geburten und Übergewicht tragen damit ein deutlich höheres Risiko, Gallenblasensteine zu entwickeln.
Welche Beschwerden machen Gallensteine?
Solange Steine keine Symptome verursachen, sind sie in der Regel nicht therapiebedürftig. Typisch für ein behandlungsbedürftiges Steinleiden sind krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, die in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen – insbesondere nach dem Essen, vor allem nach fettreichen Mahlzeiten.
Hinzu können Völlegefühl, Übelkeit, Aufstoßen und Unverträglichkeit vor allem bei fettreichen Speisen auftreten. Solche Koliken dauern meist Minuten bis Stunden und treten oft nachts auf.
Ist das Leiden erstmals symptomatisch geworden, steht die Operationsindikation fest – denn ab diesem Zeitpunkt muss mit weiteren Komplikationen gerechnet werden: einer Entzündung der Gallenblase, dem Abgang eines Steins in den Hauptgallengang oder einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
Diagnose: Gespräch, Untersuchung, Ultraschall
- Anamnese – Art, Zeitpunkt und Auslöser der Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente
- Körperliche Untersuchung – gezielte Untersuchung des rechten Oberbauchs
- Sonographie (Ultraschall) – Standardverfahren: Steine, Wanddicke der Gallenblase und Weite des Gallengangs sind zuverlässig darstellbar
- Laborwerte – Entzündungs-, Leber- und Cholestasewerte zeigen, ob der Gallenabfluss gestört ist
Die Ultraschalldiagnostik führen wir direkt im Erstgespräch in der Praxis durch. Anschließend besprechen wir Befund, Dringlichkeit und den möglichen Operationstermin.
Was ist minimal invasive Chirurgie?
Die minimal invasive Chirurgie (abgekürzt MIC) nutzt Zugänge zu den Körperhöhlen des Bauchraumes (Laparoskopie) mit sehr kleinen Schnitten, um Videokameras, Lichtquellen und chirurgische Instrumente einzubringen und die Operation im Inneren der Körperhöhle unter Videosicht durchzuführen.
Die laparoskopische Gallenblasenoperation zeichnet sich durch kleine Hautschnitte aus – und damit durch wenig Belastung für den Körper und deutlich geringere Schmerzen nach der Operation. Sie ist heute weltweit das Standardverfahren der Gallenblasenentfernung.
Die Operation im Detail
Bei der laparoskopischen Cholezystektomie wird die gesamte Gallenblase samt Steinen entfernt – nicht nur die Steine selbst. Der Grund: Eine steinbildende Gallenblase produziert nach einer reinen Steinentfernung in aller Regel erneut Steine.
Narkose & Vorbereitung
Der Eingriff erfolgt in einer Allgemeinnarkose durch unseren erfahrenen Anästhesisten. Sie kommen nüchtern in die Praxis.
Zugang & Kameraeinsatz
Über vier kleine Zugänge von jeweils 0,5 bis 1,5 cm – einer unterhalb des Nabels, drei im rechten Oberbauch – werden Kamera und Arbeitsinstrumente eingebracht. Der Bauchraum wird mit CO₂ aufgeweitet, um Sicht und Bewegungsfreiheit zu schaffen.
Darstellung der Strukturen
Gallenblasengang und Gallenblasenarterie werden sorgfältig freigelegt und sicher identifiziert – der entscheidende Sicherheitsschritt der Operation.
Entfernung der Gallenblase
Der Gallenblasengang und die kleine Arterie, die die Gallenblase versorgt, werden nach Ansetzen von Clips durchtrennt, die Gallenblase von der Leber abgelöst und über den Schnitt unterhalb des Nabels mittels eines Bergebeutels geborgen.
Wundverschluss
Die kleinen Hautschnitte werden mit auflösbaren Fäden verschlossen und versorgt. Die entfernte Gallenblase wird immer zur feingeweblichen (pathologischen) Untersuchung eingeschickt.
Ruhephase & Entlassung
Nach der Überwachungsphase werden Sie am selben Tag nach Hause entlassen – mit Schmerzmedikation und klaren Verhaltenshinweisen.
Die reine Operationszeit liegt in der Regel bei 45 bis 60 Minuten. Mit Narkoseeinleitung, Aufwachphase und Überwachung sollten Sie einen halben Tag einplanen.
Nachsorge: Kontrolle am Folgetag und nach einer Woche
Die Patienten werden am selben Tag nach Hause entlassen und kommen am darauffolgenden Tag zur Kontrolle. Hierbei erfolgt sowohl eine Laborkontrolle als auch eine Ultraschalluntersuchung. So lässt sich früh erkennen, ob der Gallenabfluss ungestört ist und die Wundverhältnisse in Ordnung sind.
- Tag 1 nach OP – Kontrolle in der Praxis mit Labor und Ultraschall
- Erste Tage – leichte Kost, viel trinken, kurze Spaziergänge statt Bettruhe
- Eine Woche nach OP – zweite Kontrolle in der Praxis: Wundkontrolle, Besprechung des histologischen Befundes
- Belastbarkeit – arbeitsfähig in der Regel nach etwa 2 Wochen; bei körperlich sehr schwerer Arbeit (z. B. Dachdecker, Fließband- oder Lagerarbeit) bescheinigen wir bis zu 4 Wochen Arbeitsunfähigkeit
Leben ohne Gallenblase
Die Gallenblase ist ein Speicher, kein lebensnotwendiges Organ. Nach der Entfernung fließt die Galle kontinuierlich aus der Leber in den Darm, statt portionsweise abgegeben zu werden. Die Fettverdauung funktioniert weiterhin.
Unsere Empfehlung zur Ernährung: In der Regel dürfen Sie nach der Operation grundsätzlich normal essen. In den ersten ein bis zwei Wochen empfehlen wir primär leichte Kost. Eine dauerhafte Spezialdiät ist nicht erforderlich.






